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Brunnenvergiftung ?

Klage der DUH

Im Mittelalter wurde Vergiftung des Wassers mit dem Tode bestraft, heute wird dies als ‚Kavaliersdelikt‘ von der Regierung hingenommen. Dies akzeptiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht weiter. Am Montag den 16.7.2018 hat die DUH  vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine ausführliche Begründung zu ihrer Klage gegen die Bundesregierung eingereicht, um eine bundesweite Einhaltung der europaweit geltenden Nitrat-Grenzwerten im Grundwasser durchzusetzen.

Deutschland hat nicht nur Probleme mit der Luftqualität, von 28 EU-Staaten hat Deutschland auch die zweithöchste Belastung unseres Wassers mit Nitrat: Nur der Inselstaat Malta hat mehr Überschreitungen des Nitrat-Grenzwerts im Grundwasser! An 28% der Messstellen in unserer Agrarlandschaft wird der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter dauerhaft überschritten – und das schon seit vielen Jahren. Das sich aus dem Nitrat bildende Nitrit ist insbesondere für Säuglinge gefährlich, es belastet gemeinsam mit zu viel Phosphaten zudem unsere Bäche, Flüsse und Seen, führt zu einem dramatischen Artenschwund und macht nicht zuletzt die Trinkwasser-Aufbereitung immer aufwändiger und teuer.

Der Hauptgrund für die hohe Nitrat-Belastung ist die intensive, industrielle Landwirtschaft. Ein Kilo Schweinefleisch für 2,99 € – der gleiche Preis, der derzeit für ein Kilo Äpfel verlangt wird – zeigt eine perverse Fehlentwicklung unserer Landwirtschaftspolitik. Und dass sich bei einer auf Billigstfleisch ausgerichteten Massentierhaltung, verbunden mit Mais – Monokulturen, keine Verbesserungen der desolaten Grundwasserqualität erreichen lassen, liegt auf der Hand. Im vergangenen Jahr ist eine wirkungsvolle Überarbeitung der Düngeverordnung am Widerstand der Agrarindustrie gescheitert, eine ausreichende Verbesserung der Nitratwerte im Grundwassers damit in weite Ferne gerückt.

Fast die Hälfte der Pflanzenarten der „Roten Liste“ ist durch erhöhte Nährstoffeinträge gefährdet. Schnell wachsende Pflanzenarten wie die Brennnessel bekommen zum Beispiel einen Vorteil durch das viele Nitrat im Boden, überwuchern andere Arten und behindern sie so beim Wachsen. Arten- und blütenreiche Magerwiesen mit Wiesensalbei, Knabenkraut und Sandbiene gehören bald der Vergangenheit an – und das Insektensterben schreitet weiter voran. Bäche oder Seen werden trübe, weil der hohe Stickstoffgehalt das Algenwachstum begünstigt. Darunter leidet letztlich das ganze Ökosystem des Baches oder Sees.

Zur Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erklärt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender GRÜNE im Bundestag:

„Diese Klage hat die Bundesregierung sich selbst eingebrockt. Denn das Alibiprogramm der Bundesregierung zum Gewässerschutz wird unser Grundwasser und unsere Bäche nicht vor der Gülle- und Düngerflut aus der Agroindustrie schützen. Nach der EU-Kommission ist die DUH schon der zweite Kläger gegen die Bundesregierung in der Sache, das müsste eigentlich ein Weckruf für die Ministerinnen Schulze und Klöckner sein. Die Bundesregierung muss endlich entschieden gegen die Nitrat-Einträge vorgehen. Die Interessen der industriellen Massentierhalter dürfen nicht über dem Gewässerschutz stehen. Wasser ist schließlich unser wichtigstes Lebensmittel.“

Die Wasser chemische Beschaffenheit bei unserem Trinkwasser vom Wahnbachtalsperrenverband liegt laut Jahres Analyse 2017 für Nitrat bei 10 mg/l. Darüber können wir hier in unserer Gemeinde sehr zufrieden sein.

In diesem Sinne eine erfolgreiche Zeit

Gunter Gallasch

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