Strassenbegleitgruen Schnitt

STRASSENBEGLEITGRÜN

Kritik an Gehölzschnittaktionen

 

Bis zum ersten März des Jahres sind laut Gesetz das Freischneiden der Straßen und auch der Heckenschnitt in privaten Gärten erlaubt.

Was  in diesem Jahr an Wegen, Straßen und Solitärbäumen vor dem ersten März zu beobachten war, spottet zum Teil jeder Beschreibung.

Es soll hier nicht bezweifelt werden, dass Rückschnitt und auch Fällung von Bäumen notwendig und auch gesetzlich vorgeschrieben ist. Ohne Frage steht die Verkehrssicherheit an erster Stelle. Die Frage ist eben nur wie dabei vorgegangen wird.

Viele Straßenämter in NRW und in ganz Deutschland halten sich an die Vorgabe, dass eine „selektive Durchforstung“ Vorrang haben soll vor dem „auf den Stock setzen“.

Das gilt jedoch nicht für die Gemeinden Neunkirchen-Seelscheid und Much. Es scheint in der Summe so, als ob alle Nachrichten über Artensterben, über den dramatischen Rückgang der Insekten, über die alarmierende Abnahme der Singvögel Bestände für Neunkirchen und Umgebung nicht zuträfen.

Da werden Randstreifen und Böschungen von kleinen Straßen und Sträßchen mit einer Radikalität

von jedem Bewuchs frei geholzt. Kommt man nach einer dieser Aktionen  an solchen wenig befahrenen Wegen und Sträßchen vorbei, verschlägt es einem den Atem. Kahlschläge ohne Rücksicht auf Verluste, alles was einem Auto oder einem landwirtschaftlichen Gerät auch nur irgendwie in die Nähe kommen könnte, wird brachial entfernt. Man hat mitunter den Eindruck auf den kleinen Sträßchen würden regelmäßig Gigaliner fahren. Vielleicht muss auch für die wenigen Anwohner freie Sicht über mindestens 200 Meter herrschen um sicher mit Tempo 100 zu ihren Häusern zu gelangen. Alles, aber auch wirklich alles, wird in weitem Abstand zur Straße beseitigt. Früh blühende Gehölze wie Weide oder Kornelkirsche – weg damit – jedes Kind weiß bei uns mittlerweile um die Bedeutung der Frühblüher für unsere Insekten. Bäume, die niemals eine Gefahr bedeuten ,werden einfach weggenommen oder zum Teil an Borke und Rinde schwer geschädigt. Rücksichtslose Kahlschläge an Weg- und Straßenrändern, wohin man schaut, von Augenmaß oder selektivem Rückschnitt keine Spur, jede noch so kleine Krautschicht, jeder Ansatz einer Strauchschicht wird entfernt.

Fragt man Spaziergänger, Anwohner oder Radfahrer, dann ist die Meinung zu solchen „Freischneideaktionen“ durchweg einheitlich. „Kein Augenmaß, Schneidewut, Brutalität , deutsche Gründlichkeit“. Hier scheint ökologisches Bewusstsein längst angekommen zu sein. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist aufgefallen mit wie wenig Sachverstand hier vorgegangen wird. Auch der fehlende Blick für die Ästhetik einer Maßnahme scheint zu fehlen, (trifft auch für den Schnitt der Bäume an Neunkirchens Hauptstraße zu – oder besser gesagt für die Verstümmelung mancher Bäume).

Bei eine der letztjährigen Freischneideaktionen in Neunkirchen hatte ich die Presse informiert. Ein kritischer Zeitungsartikel mit Bild erschien. Der Redakteur hielt vorher Rücksprache mit der Gemeinde. Ihm wurde mitgeteilt, der Rückschneideplan sei mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) abgestimmt. Wie bitte -? Ich bin langjähriges BUND-Mitglied, keiner im BUND-Vorstand hat je ein Wort von der Gemeinde gehört.

Hier wäre eine Möglichkeit gegeben, dass die zukünftigen „Aktionen“ natur- und Landschafts gerechter durchgeführt werden. Eine Schulung der Mitarbeiter erscheint ebenfalls wünschenswert. Keiner dieser Personen soll persönlich angegriffen werden, die Vorgaben müssen überdacht werden. Es muss an unseren Wegen und Sträßchen keine „Vorgartensauberkeit“ herrschen.

 

P.S. Dem Verfasser dieses Artikels ist bewusst, dass die Problematik bei größeren Straßen eine komplexere ist, die nur teilweise mit der hier geschilderten übereinstimmt.

 

Bild:  „Heckenschnitt“!!   Hermerather Mühle

 

Hans Reibold

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